Wenn man an junge, deutschsprachige, aufstrebende Künstler denkt kommt man ziemlich schnell auf einen Namen: Melissa Naschenweng.
Die gebürtige Österreicherin schafft es mit energiegeladenen Live-Shows, wie kaum eine zweite Sängerin, das Publikum in Ekstase zu versetzen. Heute erscheint ihr neues Album LederHosenRock. Über das Album wurde im Vorfeld viel berichtet, gerade aufgrund der etwas provokanten Single “Difigiano” (Bei Youtube anschauen).

Das Melissa Naschenweng aber auch den Sensenmann besingt ist ein noch nicht näher beleuchtetes Geheimnis des durch und durch starken Albums, das wir bereits im Vorfeld hören durften.

  • Melissa Naschenweng Sensenmann

Melissa Naschenweng liebt die Doppeldeutigkeit

Fast könnte man meinen Melissa Naschenweng liebt uneindeutige oder rätselhafte Song-Titel. So zum Beispiel bei “Difigiano”, das je nach Sprechweise etwas anzüglich wirkt. Gut das dies im Vorfeld durch einen Youtube-Schnipsel erklärt wird – es soll ja keiner falscher Eindruck entstehen. Auch wenn wir es trotzdem ein wenig befremdlich finden wenn es ein älterer Herr mit breitem Grinsen offensichtlich total lustig findet, wenn Melissa Naschenweng herausfindet das Difigiano eben nicht “Difitschano” (italienisch), sondern “Di figg i a no”(bayrisch) ausgesprochen wird. Das Melissa Naschenweng mit diesem vermeintlichen Fauxpas, aber in unserer Augen eher großen Peinlichkeit des Fragestellers, nun offensiv umgeht und es konsequent italienisch ausspricht ist zumindest eine angemessene Art der Gegenwehr. Öffentliche Bloßstellung des Fragestellers wäre eine andere gewesen. Sei’s drum. Wir finden das Album hat ganz andere Stärken. So zum Beispiel das ebenfalls doppeldeutige, aber viel harmlosere Lied “Der Sensenmann“. Dies ist echte und lustige Doppeldeutigkeit a la Melissa Naschenweng und eindeutig eines der Highlights des Albums.

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Um was geht es bei Sensenmann?

Doch um was geht es denn nun? Nicht um das Ableben, Nein! – Es geht also NICHT um eine knöchrige Gestalt mit Kapuze, die Nachts die Menschen ins Reich der Toten holt. Auch wenn dies erst nach den ersten paar Takten des Songs klar wird (raffiniert). Thema des Liedes sind, und so einfach kann es manchmal sein, die Feldarbeiter die die Almwiesen abmähen, oder um es mit Melissa Naschenweng zu sagen “Ich gebs ja zu es ist ja nur a Bergbauerbua der mit den Sens’n die Wiesn maht'”.
Es geht also ein Stückweit um Heimatliebe. Dies allerdings offensichtlich extra doppeldeutig verpackt.

Rock oder Rock?

Genau so wie übrigens der Titel des Albums “LederHosenRock” auch selbst unterschiedlich verstanden werden kann. Geht es um rockige Musik mit traditionellem Anstrich (Lederhose!), oder geht es um den Rock als Kleidungsstück, der die feminine Seite des Albums repräsentiert?

Im Endeffekt geht es um Beides. LederHosenRock ist ein rockiges, lustiges, moderners, aber auch traditionelles Album. Paradox: Konservatismus und Progressivität vereint auf einer Platte und es klappt. Das muss man erst mal schaffen.

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Heimatliebe ist ein zentrales Motiv von LederHosenRock

Ein zentrales Motiv des Albums ist sicherlich die Heimatliebe. Aufgewachsen im Kärtner Lesachtal ist Melissa dem Landleben voll und ganz verpflichtet. Wo andere Künstler, wie zuletzt zum Beispiel eine Vanessa Mai, ihren Musikstil ändern und mit modernen Pop-Beats und Autotune Elementen eher eine urbane Zielgruppe ansprechen, bleibt Melissa Naschenweng bei ihren Wurzeln.
Ihre Musik ist nicht für die Clubs der Großstädte gemacht, sondern eher für die Zelte und Bühnen der Dorffeste.

Das schöne Landleben

Lieder wie Fichtenmoped, Traktorführerschein oder I love the Moutains vermitteln Eindrücke und ein Lebensgefühl, das für Stadtmenschen nur schwer nachvollziehbar ist. Das bedeutet nicht, dass besagte Städter keine Spaß an der Musik haben können – im Gegenteil – das Album bedient dann nur eher eine romantische Sehnsucht als eine gefühlte Wirklichkeit. Gefühlt, weil Lieder wie Traktorführerschein durchaus mit einem Augenzwinkern zu verstehen sind. Da geht es nämlich darum, dass echte Landmädchen nicht mit getunten Golf GTIs zu beeindrucken sind. Nein, auf solche Oberflächlichkeiten stehen die Mädels vom Land nicht: “Alles was ich will ist ein Bua mit Gefühl und einem Traktorführerschein”.

Musik für Junggebliebene

Es gibt aber auch konkrete Ausnahmen: Ein integrierendes Element ist zum Beispiel der Song “Blödsinn im Kopf”. Dieses Lied spricht allen jung und junggebliebenen Menschen aus der Seele die, nun ja, Blödsinn im Kopf haben. Da ist es egal ob man auf dem Land oder in der Stadt wohnt – man kann das durchaus fühlen.

Dennoch muss man sagen, dass Melissa Naschenweng alles in allem einen Gegenentwurf (aber mit Augenzwinkern) zum hecktischen Stadtleben in den 15 Titeln von LederHosenRock zeichnet. Es gilt aber: Fans von rockiger Partymusik werden das Album lieben!

Melissa Naschenweng: Die Single “Difigiano”

Das Video ist ab 10 Uhr am 30.10.2020 verfügbar